Wieso liegt der Fokus immer auf Geld?

Ich bilde mich ja jetzt seit geraumer Zeit verstärkt im gesamten Business-Aspekt der Design-/Web Design/UX Design-Landschaft fort. Darüber werde ich hier auch noch verstärkt schreiben, denn im Allgemeinen lassen viel zu viele Designer (ich werfe jetzt einfach mal alle in einen Topf, damit sich der Artikel leichter schreiben lässt) genau diesen Teil außen vor. Das führt dann aber leider zu Kommunikationsproblemen und Frust zwischen den unterschiedlichen Parteien, da man deshalb auch gerne aneinander vorbei redet oder den Fokus in Kundengesprächen falsch setzt.

Es gibt auch fantastische Bücher zu unterschiedlichsten Themen aus diesem Gebiet, die ich hier auch noch alle empfehlen werden (und die teilweise auch schon auf meiner Literaturliste stehen). Sehr, sehr kluge Köpfe aus der Design- und Businesswelt teilen ihr Wissen (zumindest einiges davon) kostenfrei auf Youtube, Instagram oder ihren eigenen Blogs. Dafür bin ich sehr dankbar und ich habe da auch schon Geld gelassen um an zusätzliches Wissen heranzukommen – ich plane auch schon mehr auszugeben. Ich habe mich schon lange nicht mehr so schnell weiterentwickelt, wie in den letzten… hmmm… sagen wir mal 3-4 Monaten. Letztlich hat mich diese Entwicklung auch dazu gebracht, meinen Blog und meinen Instagram-Kanal zu starten – und da stehe ich ja noch ganz am Anfang. Das Wissen ist sein Geld wert. Das kann ich auf jeden Fall so bestätigen.

Aber was mir dabei auffällt, ist das traurige Problem des Kapitalismus: der Fokus wird zu sehr auf Geld gelegt. Klar, ich wehre mich nicht gegen Geld. Einfach deshalb, weil man es in unseren System benötigt, um zu leben. Aber wann hat man genug? Wann zu viel?

Gewinnmaximierung

Viele Quellen zielen darauf ab, wie man als selbstständiger Designer mehr Geld verdienen kann, wie man sich nicht unter Wert verkauft und sich nicht ausbeuten lässt. Finde ich super. Denn das Problem besteht einfach immer noch: digitale Güter haben für viele Unternehmer immer noch keinen greifbaren Wert. Wer einen Tisch aus massivem Echtholz schreinern lässt weiß, dass das einen relativ hohen Betrag kosten wird. Wer sich einen Onlineshop bauen lassen will, glaubt auch schon mal, dass man da mit knappen 1.000 € hinkommt – selbst so erlebt. Selbstverständlich geht das sogar. Aber dann ist der nicht aus Echtholz, sondern aus Pappe und wird ganz sicher nicht so gut sein, wie der aus Echtholz. Aber das ist schwer zu begreifen, da die paar Klicks am Computer doch nicht viel Arbeit sein können.

Wie dem auch sei, auf jeden Fall helfen Bücher und die passenden Videos unheimlich dabei, wie man besser kommuniziert, sich positioniert und darstellt. Doch was mich daran immer etwas stört ist der Fokus auf immer höhere Umsätze. Da wird angefangen die Kosten einer Webseite von anfänglich 1.000 € auf 6.000 € hochzuschrauben. Das ist absolut realistisch, wenn man bedenkt was da an Arbeit reingeht und als Selbstständiger muss man ja auch einen Puffer aufbauen, der einen über Auftragsflauten hinweg hilft. Dann wird sowas noch höher geschraubt auf 10.000 €. Man will ja weg von den ganz kleinen Aufträgen und hin zu den etwas größeren Kunden. Könnte ich auch noch verstehen, obwohl man dann bei 10.000 € (wenn man es denn mit 1-3 Personen abarbeitet. Eine Agentur hat natürlich immer noch zusätzlich Kosten, die in die Preise einfließen müssen.) auch schon wirklich gute Arbeit abliefern muss, damit das gerechtfertig ist. Natürlich kann der Preis auch noch steigen, wenn man zusätzlich z.B. noch Workshops, Animationen, Video- und aufwendige Analysearbeiten anbietet. In der Regel ist das für eine Webseite aber schon ziemlich viel.

Aber ich will gar nicht so sehr bei den Preisen für einzelne Services bleiben. Das alles läuft ja auf ein angepeiltes Jahresgehalt heraus. Anfangs redet man da noch von 90.000 € pro Jahr. Das ist dann aber nicht genug. Also steigert man das Ziel auf 130.000 € und da sich 6 Monate später alles schon so gut entwickelt hat, peilt man direkt die 150.000 € an.

Dafür gibt es unterschiedlichste Methoden. Zum einen erhöht man wie schon erwähnt natürlich die Preise der angebotenen Services. Dann kann man aber auch noch dafür sorgen, dass man beispielsweise über Premium-Lehrvideos oder -materialien passiv Einkommen erzeugt. Auch Affiliate-Marketing kann da einiges bringen, wenn man es richtig anstellt. Es gibt da viele Möglichkeiten, die auch tatsächlich realistisch zu erreichen sind. Wichtig dabei ist nur, dass man sich nicht nur auf eine Art des Einkommens verlässt. Wer Geld verdienen will, sollte versuchen, unterschiedliche Einkommensquellen aufzubauen.

Aber wo hört das auf? An welcher Stelle geht da auch mal die Grundidee verloren, wieso man überhaupt mit der Selbstständigkeit oder dem Job begonnen hat? Wann geht es nur noch darum, immer mehr zu erreichen? Muss es wirklich der Bentley sein oder reicht auch ein umweltfreundlicher Kleinwagen um von A nach B zu kommen? Brauche ich wirklich ein Haus mit 12 Zimmern? Kann ich nicht auch etwas an die Gesellschaft zurückgeben?

Ok, auf was will ich hier eigentlich hinaus?

Mir geht es darum, dass man sich Gedanken darum machen sollte, ob man sich auf diese Art Wettrüsten einlassen will. Mal angenommen, man bietet Coaching-Seminare an: ist es wirklich notwendig 2.000 € pro Teilnehmer zu verlangen, wenn ich problemlos 20 Teilnehmer zusammen bekomme? Reicht es nicht, einfach nur 500 € zu nehmen. Ich halte das für einen ziemlich guten Tagessatz, selbst wenn nur 10 Personen kommen. Auf die Art können sich auch mehr Leute so ein Coaching leisten und diese dann ggf. auch aufgrund des Wissenstransfers ein besseres Leben führen. Eigentlich ist doch genug für alle da. Wieso kann man da nicht etwas sozialer, etwas mehr an die Gesellschaft denken, in der man lebt? Wieso wird der Egoismus immer so stark gefördert? Wieso nicht Altruismus und Solidarität?

Geld ist nicht alles im Leben und nur weil man Preise nach oben schrauben kann, muss man es nicht unbedingt tun. Denn irgendeiner bleibt bei solchen Rechnungen immer auf der Strecke da Ressourcen leider endlich sind – eine Tatsache, die im Kapitalismus aber leider nicht vorgesehen ist. Mich stört der Fokus auf Gewinnmaximierung deshalb, weil ich meinen Job gerne mache und damit auch gerne gutes Geld verdienen will. Aber es geht mir dabei immer darum, dass ich für Kunden einen Mehrwert erarbeiten kann. Es geht mir darum, mit anderen Menschen gemeinsam ein Projekt möglichst gut durchzuführen und an jedem Projekt zu wachsen. Ich brauche keinen Rolls Royce in der Garage. Ich brauche sinnvolle Arbeit, die mir Spaß macht und mit der ich vielleicht auch irgendwann mal Gutes tun kann.

Vielleicht denkt der ein oder andere ja mal darüber nach.

(Alle meine Artikel werden von mir persönlich geschrieben. Da schaut niemand mehr drüber, was manchmal vielleicht besser wäre. Aber dadurch bekommt man eben auch genau das zu lesen, was ich so denke und recherchiert und gelernt habe. Da bleiben ein paar Rechtschreibfehler nicht aus. Das tut mir auch echt leid, aber damit muss man dann auch einfach mal klar kommen.)