Was Progressive Web Apps (PWA) für Designer bedeuten (Teil 2)

(Der erste Teil des Artikels ist hier zu finden.)

Progressive Web Apps zu entwickeln bedeutet für UX Designer und Designer im Allgemeinen, dass man daran arbeiten sollte, eine gleichbleibende Nutzererfahrung auf allen System zu schaffen. Es ist zwar möglich Browser zu erkennen und aufgrund dessen unterschiedliche Styles auszuspielen, letztendlich ist das aber nicht sehr nachhaltig und auch mit viel Aufwand verbunden.

Bisher galt immer, dass man sich entweder an die Apple Design Guidelines oder Google Material Design orientieren sollte, wenn man für die jeweiligen Plattformen gebaut hat. Ich bin persönlich weder vom einen, noch vom anderen Extrem ein Anhänger. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Auf Android galt bisher beispielsweise immer, dass man keine Tableiste unten am Bildschirm platzieren soll, da man dort ansonsten mit den nativen Bedienelementen kollidiert. Tests von Google haben aber gezeigt, dass diese Bedenken nicht gerechtfertigt waren. Es gibt durchaus Möglichkeiten Oberflächen auf beiden Systemen gleich zu gestalten.

Der “Back”-Button

Ein großer Unterschied zwischen beiden System ist sicherlich immer noch der “Zurück”-Button von Android, der bei iOS nicht zu finden ist. Das Navigationskonzept sollte demnach so aufgebaut sein, dass man die Webapp auch ohne native Navigationselemente problemlos navigieren kann. Ich würde auch hier davon absehen, durch Abfrage des Betriebssystems einen zusätzlichen Button nur auf iOS Systemen anzuzeigen, der auf Android nicht zu sehen ist. Man sollte sich lieber Gedanken darüber machen, wie man ein stimmiges Navigationskonzept auf alle Systeme übertragen kann – auch vor dem Hintergrund, dass sich Betriebssysteme auch mal ändern. Die Unterstützung von Wischgesten könnte hier auch zusätzlich helfen.

Ein Design für alle

Was das Design der PWA angeht, gilt es auch hier, ein Design zu schaffen, das überall funktioniert. Gerade von iOS-Entwicklern höre ich immer wieder, dass man auf iOS alles so bauen soll, wie Apple es vorgibt, weil die User daran gewöhnt sind. Halte ich nur für bedingt richtig. Es gibt ausreichend Elemente auf iOS, die mittlerweile einfach nicht mehr dem entsprechen, was man mal von Apple gewohnt war (z.B. der winzig kleine “Zurück zur letzen App”-Link). Als Unternehmen sollte man ein Nutzererlebnis schaffen, dass auf allen System gleich ist, die Persönlichkeit des Unternehmens transportiert und sich nicht an Apple’s oder Google’s Optik angleichen – schließlich verkauft man kein Apple oder Google Produkt, sondern das eigene.

Deshalb ist es wichtig eine Progressive Web App zu entwickeln, die in Betracht zieht, dass diese sowohl auf Android als auch auf iOS und eben auch als “reguläre” Desktopseite funktionieren sollte. Nach Möglichkeit auch noch so inklusiv und geschwindigkeitsoptimiert, wie möglich.  Nur so lässt sich gewährleisten, dass jeder Nutzer mit der PWA klarkommt und das auch, wenn man mal das Betriebssystem wechselt.

iOS noch etwas “hacky”

Leider ziert sich Apple ja noch etwas, alle Funktionalitäten anzubieten, die man mit der PWA abgreifen könnte. Aus diesem Grund ist die Entwicklung aktuell sicherlich noch etwas experimentell auf iOS und es erfordert hier und da noch Tricks oder Hacks, damit alles halbwegs funktioniert. Das hängt aber schwer davon ab, welche Funktionen man genau benötigt. Es gibt da zwei schöne Artikel auf Medium zum Thema: “Progressive Web Apps on iOS are here” und “PWAs are coming to iOS 11.3: Cupertino, we have a problem“. Man sollte das auf jeden Fall im Hinterkopf haben, sollte man aktuell an einer PWA arbeiten.

Nicht aufzuhalten

PWAs kommen und sind nicht aufzuhalten – davon bin ich felsenfest überzeugt. Mag sein, dass man zukünftig nicht mehr von PWAs sprechen wird und man der Sache einen anderen Namen aufdrückt. Wir werden uns aber ganz sicher wegbewegen davon auf proprietären System zu programmieren, wenn wir etwas im Internet machen. Mal davon abgesehen, dass Designs in der Zukunft sowieso durch AI hergestellt (Design in Tech Report 2018 ab Slide 58) werden und Browser meines Erachtens auch keine Zukunft haben (wozu einen Browser öffnen, wenn das Betriebssystem eine Webseite oder App einfach direkt öffnen kann?), sollte man sich darauf einstellen, dass die nächsten Jahre Apps als PWAs erstellt und eine einzige Progressive Web App für alle Systeme ausgeliefert wird.

Aber vielleicht liege ich ja auch komplett falsch. Was meint ihr? Kommentiert gerne auf Instagram oder schreibt mir eine Nachricht.

(Alle meine Artikel werden von mir persönlich geschrieben. Da schaut niemand mehr drüber, was manchmal vielleicht besser wäre. Aber dadurch bekommt man eben auch genau das zu lesen, was ich so denke und recherchiert und gelernt habe. Da bleiben ein paar Rechtschreibfehler nicht aus. Das tut mir auch echt leid, aber damit muss man dann auch einfach mal klar kommen.)