Was Progressive Web Apps (PWA) für Designer bedeuten (Teil 1)

Als ich vor ca. zwei Jahren das erste Mal von Progressive Web Apps (PWAs) hörte, war für mich direkt klar, dass es sich dabei um den einzig sinnvollen nächsten Schritt im App-Universum handelt. Mein Arbeitsumfeld sah das nicht so euphorisch bzw. sieht das heute immer noch mit größter Skepsis – wehrt sich regelrecht dagegen. Für mich absolut nicht verständlich und zeigt, welche Macht Apple doch hat. Denn aktuell ist es eigentlich nur noch Apple, die den Durchbruch von PWAs etwas bremsen. Google pusht PWAs an jeder Ecke und schiebt ein Update nach dem anderen nach, um die Browserunterstützung zu verbessern. Selbst Microsoft erlaubt mittlerweile den Vertrieb von PWAs in deren Microsoft Store (extener Link zu t3n.de) als herunterladbare App – und das obwohl es sich gar nicht um eine App im herkömmlichen Sinne handelt.

Doch was sind PWA’s eigentlich?

Ich will hier gar nicht zu sehr auf die technischen Details eingehen. Progressive Web Apps erlauben es im Grunde, eine normale Webseite über den Browser des Smartphones auf dem Homescreen abzuspeichern – also genau wie ein App aus dem Appstore mit eigenem Icon. Die Webseite lässt sich dann direkt von dort aus öffnen, man bekommt ggf. einen kurzen Ladebildschirm (wie man es auch von Apps her kennt) und landet dann auf der Webseite – ohne Browserrahmen im Vollbildschirmmodus. Ist die Webseite entsprechend gebaut, kann man auf lokalen Speicher, Offline-Funktionalitäten, Kamera, Geolocation und viel mehr zurückgreifen. Sogar der Zugriff auf natives Bezahlen über das Smartphone ist möglich. Die wichtigste Funktion überhaupt (zumindest meiner Erfahrung mit Kunden nach) sind Push-Nachrichten und selbst die sind möglich. Naja, zumindest auf Android-Geräten. Apple wehrt sich noch etwas, hat aber in den letzten Monaten auch kräftig nachgegeben und ich würde meinen, dass Push-Notifications noch dieses Jahr auf Apple-Geräten Einzug erhalten. Und sobald diese dann auch noch da sind, lassen sich die meisten Apps bauen, ohne dass man für jedes System eigene Apps entwerfen muss.

Machen Progressive Web Apps Sinn?

Ja, ganz klar. Alleine die Tatsache, dass man sich nicht von irgendwelchen Unternehmen abhängig macht und seine Applikation mit den Mitteln herstellt, die uns das Internet zur Verfügung stellt, ist der größte Vorteil. Apps werden auf der Basis von HTML, CSS und Javascript gebaut und funktionieren auf jedem Gerät. Ich muss die Webapp nicht über einen Appstore vertreiben und bin auch nicht abhängig davon, was ein Unternehmen sich für Vorgaben ausdenkt. Man nehme nur mal die plötzliche Umstellung von 32- auf 64-Bit-Architektur von Apps im Appstore (externer Link zu Macwelt.de) ab iOS 11. Plötzlich musste man seine Apps komplett anpassen, nur weil Apple der Meinung war, dass das jetzt so zu sein hat. Das mag seine guten Gründe haben. Es bedeutet aber eben auch, dass man sich anpassen muss oder aus dem Store fliegt.

Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass ich Bug-Fixes und Feature-Updates sofort online stellen kann – und zwar mit einem einzigen Update für alle Systeme. Ich muss nicht mehr Apps für Android und iOS gesondert bearbeiten, sondern kann in einem Rutsch das Update veröffentlichen. Ein unheimlicher Vorteil, der dazu auch noch massiv Kosten und Zeit sparen kann.

Generell ist es doch so, dass das Internet für jeden frei verwendbar sein sollte. Mit Progressive Web Apps bewegen wir uns endlich wieder in die richtige Richtung. Als Übergangslösung waren native Apps sicherlich notwendig, da viele Funktionalitäten einfach nicht über Browser abzubilden waren. Mittlerweile wurden diese aber so stark weiterentwickelt, dass dies zukünftig kein Problem mehr sein wird. Ja, es wird sicherlich noch gut ein Jahr ins Land gehen, bevor PWAs wirklich den Stand erreichen, native Apps abzulösen zu können. Aber schon jetzt gibt es große Unternehmen wie z.B. Pinterest, die auf PWA gesetzt und damit erhebliche Erfolge eingefahren haben (externer Link auf Medium.com).

Native Apps werden vielleicht nicht ganz verschwinden, weil es immer die eine spezielle Anwendung geben wird, die auf ganz bestimmte native Funktionalitäten zurückgreifen muss. Aber für den Großteil der Apps, wird eine Webapp mehr als ausreichend sein.

Das beste daran: Selbst wenn man eine Webseite nicht als PWA nutzt, diese aber dafür optimiert wurde, erfährt man einige der Vorteile als Nutzer, wie schnellere Ladezeiten und besseres Caching, ohne dass man dadurch irgendwelche Nachteile hätte.

Umdenken für Designer

Für Designer bedeutet das aber auch ein gewisses Umdenken. Und darüber werde ich dann im zweiten Teil des Artikels schreiben. Ja, ich weiß, ist fies. Aber glaubt mir: diese Artikel zu schreiben braucht Zeit und deshalb will ich zukünftig öfter mal Artikel aufteilen. Ich halte mich aber ran.

(Der zweite Teil des Artikels ist hier zu finden.)

(Alle meine Artikel werden von mir persönlich geschrieben. Da schaut niemand mehr drüber, was manchmal vielleicht besser wäre. Aber dadurch bekommt man eben auch genau das zu lesen, was ich so denke und recherchiert und gelernt habe. Da bleiben ein paar Rechtschreibfehler nicht aus. Das tut mir auch echt leid, aber damit muss man dann auch einfach mal klar kommen.)