Buchkritik: Quick Guide UX Management

Disclaimer: das Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt. Grundvoraussetzung dafür, dass ich eine Kritik hier auf meinem Blog veröffentliche war aber, dass die Kritik trotzdem ehrlich ist und dem entspricht, was ich davon halte.

„Quick Guide UX Management: So verankern Sie Usability und User Experience im Unternehmen“ lautet der volle Titel des Buches, das von Steffen Weichert, Gesine Quint und Torsten Bartel geschrieben wurde. Alles scheinbar sehr erfahrene User Experience Experten von usability.de, wenn man sich deren Werdegänge anschaut. Ein Buch also, das mir helfen soll beim Kampf darum, UX Design im Unternehmen zu platzieren. Erstmal keine schlechte Grundvoraussetzung für ein Buch.

UX Management?

„UX Management“ ist ein Begriff, mit dem ich erstmal wenig anfangen konnte. Nachdem ich nun das Buch gelesen habe, ist mir die Idee dahinter auch klarer. Denn letztlich geht es eben darum, dass UX Management dafür sorgt, dass UX Design richtig ins Unternehmen eingeführt und zukünftig auch fest etabliert wird. Allerdings sehe in der Rolle des UX Managers und in der Ausführung des UX Managements vor allem auch den UX Lead. Der Begriff hat sicherlich seine Daseinsberechtigung. Aber es muss sich schon um ein sehr großes Unternehmen handeln, damit man die Unterscheidung zwischen UX Manager, UX Teamleiter, UX Designer und UX Researcher rechtfertigen kann. In der Praxis wird sich der UX Teamleiter darum kümmern, dass die richtigen Stellschrauben gedreht werden, damit UX Design im Unternehmen in die richtige Richtung geleitet wird.

Ganz generell und als Fazit vorab: ich würde das Buch weniger als Leitfaden für UX Management sehen, als vielmehr eine Einführung in das Thema „UX Design“.

Umfassender Überblick

Die Autoren behandeln so ziemlich alle Bereiche, die mit UX Design zu tun haben: von User Centered Design über die UX-Reifegrade bis hin zu UX Research und Empathy Maps wird auf sehr viele Bereiche eingegangen. Es wird außerdem auf die Notwendigkeit hingewiesen, UX Design in gängige Prozesse zu integrieren und als Teil des Unternehmens zu sehen, wenn man zukünftig wettbewerbsfähig bleiben will. Das alleine sollte sich endlich überall festigen. Wenn man sich also nur eine Sache aus dem Buch merken können sollte, dann hoffentlich diese.

Interessanterweise wird teilweise aber auch Vorwissen zum Thema vorausgesetzt. Beispielsweise werden Personas zwar erwähnt, diese aber nicht erklärt. Dabei handelt es sich gerade bei Personas um etwas, das oft nicht ganz richtig verstanden wird. Hier hätte ich mir einen kleinen Exkurs gewünscht. Man hätte Personas aber auch einfach nicht erwähnen können, da diese für eine Einführung in UX Design meines Erachtens nicht zwingend notwendig sind.

Akademischer Aufbau

Der Schreibstil erinnert mich sehr an eine akademische Arbeit: alle Kapitel schön nummeriert aufgebaut,  jedes Kapitel behandelt in sich ein Thema mit abschließendem Fazit, Literaturangaben nach jedem Kapitel – da wirken die gezeichneten Illustrationen für mich tatsächlich doch fast schon etwas fehl am Platz. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich normalerweise nur englische Literatur zum Thema lese. Diese ist bis auf ein paar Ausnahmen etwas weniger trocken geschrieben. Das ist aber eine rein persönliche Meinung. Ich kann mir gut vorstellen, dass man diesen Stil auch sehr zu schätzen weiß.

Gutes Buch für alle, die UX Design im Unternehmen etablieren wollen und einen Einstieg suchen.

Das Buch hält für UX Designer keine neuen Informationen bereit. Wer sich mit der Thematik bisher noch nicht so intensiv auseinandergesetzt hat, wird vielleicht das ein oder andere lernen. Ich sehe die Zielgruppe aber eher bei Mitarbeitern, die das Thema UX Design ins Unternehmen bringen wollen und keine Zeit dafür haben, sich Informationen aus unzähligen Quellen aus dem Internet oder diversen Büchern zusammenzusuchen. Ebenso kann man sich als Geschäftsführer damit vielleicht einen ganz guten ersten Überblick über das Thema verschaffen.

Die konkrete Anwendung von UX Design oder detaillierte Hilfestellungen zur Leitung eines UX Teams wird man im Buch leider nicht finden – hier kratzt das Buch doch noch zu sehr an der Oberfläche. Aber dafür gibt es ja auch genügend andere Literatur.

Wer Interesse an dem Buch hat, findet auf usability.de die notwendigen Infos.

(Alle meine Artikel werden von mir persönlich geschrieben. Da schaut niemand mehr drüber, was manchmal vielleicht besser wäre. Aber dadurch bekommt man eben auch genau das zu lesen, was ich so denke und recherchiert und gelernt habe. Da bleiben ein paar Rechtschreibfehler nicht aus. Das tut mir auch echt leid, aber damit muss man dann auch einfach mal klar kommen.)